Bericht Wikingertage
in Norden Norddeich August 2007
Im
August 2007 verschlug es mich samt Boot erstmals an die Nordsee. Die
Reise dorthin fand aus zeitlichen Gründen auf dem Trailer hinterm
Auto statt. Ich stieß dabei erstmals in meinem Leben in solch
westliche Territorien vor. Nach einer schier endlosen Fahrt durch noch
endloseres Land und noch viel viel platterererererere Ebenen kamen wir
( Chrischan, ´n guter Freund war mit) kurz vor Einbruch der Dunkelheit
im Lager, direkt an der Nordsee, an. –Sagte man mir jedenfalls,
denn Wasser war nich in Sicht. Also- sei´s drum, Zelt aufgebaut
– Strohballen ausgebreitet und erstmal schlafen. Denn es galt
in den folgenden 3 Tagen vielen Besuchern Rede und Antwort zu stehen.
Am
nächsten Morgen aufgestanden – und immer noch kein Wasser
in Sicht. –blöde Nordsee- und ich wollt baden- der Nase wegen.
Man sagte mir die sei des Nächtens bis an 3 Meter an mein Zelt
ran gewesen, aber die könn ja viel erzählen wenn so´n
Wiki erstma schläft. Na, am Nachmittag da hab ich sie dann auch
mal gesehen. Mein Schiff stand vorwiegend hoch und trocken da ja meist
eh kein Wasser da war.
War aber auch so geplant, da mein Chef, der Hjalti,
mich mehrmals am Tag als Erklärbär ins Programm eingetragen
hatte. Anfangs war ich da etwas skeptisch ob dies vom Publikum angenommen
würde. Es wurde. Sogar recht gut. Ein großer Vorteil für
die Besucher bestand in dieser Präsentation darin, das sie das
Boot nicht nur von weitem im Wasser beobachten konnten, sondern dies
an Land nun von nahem. So das viele Fragen gestellt und von mir beantwortet
werden konnten.
Eine Fahrt auf der Nordsee haben wir dann natürlich
auch noch gemacht. Dazu hatte ich mir ein paar Krieger aus dem Heerlager
der Nordfalken eingeladen. Sechs Mann an die Riemen und dann auf nach
England, da soll´s ein prima Kloster geben, für fette Beute
und so. Aber ich hatte noch ne Suppe auf ´m Feuer stehn und so
drehten wir dann doch zügig wieder um. Meine Krieger haben sich
dann aber noch mit den einheimischen Friesen prima gegenseitig auf die
Mütze gehaun – und ich meine Suppe gegessen. Über alle
3 Tage hab ich nebenbei mit Chrischan auch noch Musik gemacht. Dudelsäcke
und Trommel zu allen Gelegenheiten (Kämpfe, Beerdigungen, Auferstehungen,
Sonnenaufgang, Sonnenuntergang, Feuershow, etc. )
Fazit: war ne super Veranstaltung bei der ich im kommenden
Jahr auf jeden Fall wieder dabei sein werde.
Meine Ostsee lieb ich aber trotzdem mehr – die is wenigstens da,
wenn man sie braucht. (Die Fotos haben wir von Hialtis Seite - www.wikingerlager.de,
Danke!)
Hafentage 2007
Auch
bei diesen Hafentagen in Wismar war ich selbstverständlich dabei.
Die Rahmenbedingungen, sprich das Wetter waren zwar etwas unbeständig-
aber was soll´s. Schließlich winkt ja der Wanderpokal der
Fassregatta. In diesem Jahr nahmen zwar nur 6 Schiffe daran Teil, aber
der Spaß bleibt deswegen noch lange nicht auf der Strecke. Und
darum geht es hierbei nun einmal in erster Linie. So war das Regattafeld
am Start bei 5 Beaufort auch bunt gemischt. So fand ich mich dann wie
jedes Jahr zwischen Plattbodensegler, Stagsegelschoner und Kuttern wieder.
Mit an Bord war erstmalig Chrischan, mit dem ich normalerweise musikalisch
per Dudelsack in Aktion trete. Und so querten wir dann mehr oder weniger
pünktlich mit halben Wind die Startlinie - so genau nimmt das da
keiner. Es wär auch sehr eng wenn alle zeitgleich über die
Startlinie fahren würden. 
Kurz nach dem Start stand dann auch schon die erste Kursänderung
an, in Richtung Kirchdorf. Nun fuhren wir raumschots mit vollem Segel
an vierter Position. Der Wind frischte dann noch etwas auf - so etwa
6 Beaufort - und wir flogen über die Wismarbucht. Und dies ist
nicht übertrieben, denn wir haben mit Sicherheit unsere Rumpfgeschwindigkeit
überschritten, da sich am Achtersteven eine kräftige Heckwelle
gebildet hatte und das Schiff beim hinabfahren der Wellen immer wieder
spürbar beschleunigte. So kämpften wir uns dann bis zur Wendemarke
auf den zweiten Platz vor. Dann allerdings war der gemütliche Teil
vorbei. Denn der Wind hatte derart aufgefrischt, das wir unser Segel,
mangels beweglichen Ballast´s, bis auf lächerliche 3,5 m²
zurückreffen mussten. Damit war das nun folgende aufkreuzen mehr
als mühsam, da bei solch einer kleinen Segelfläche gegen Wind
und Welle nicht mehr viel zu machen ist. Für Chrischan hieß
es auf diesem Kurs im Vorschiff eh - spülen und schleudern- , man
gut das ich ihm ordentlich Ölzeug eingepackt hatte. Und so kam
es dann wie es auch abzusehen war, das wir als letzter die Ziellinie
passierten. Es kam uns sogar Bernie mit seiner "Qualle" entgegen,
da er sich um unser Wohlergehen sorgte. Vielen Dank dafür noch
mal- auch wenn alles im grünen Bereich bei uns an Bord war. Spaß
hat es aber trotzdem gemacht. Und schließlich gab es für
all die mühen dann bei der Siegerehrung auch noch einen Fass Bier
fürs durchhalten. Diesjähriger Gewinner war im übrigen
der "Olifant".
Eine Premiere gab es an diesem Tag dann auch noch zu feiern. Meine Töchter waren das erste mal mit an Bord. Allerdings nur im geschützten Hafen. Wir sind ma durch den Hafen gerudert und haben uns die Schiffe angeschaut. Sie waren echt begeistert, und ich total erleichtert, da es einer meiner größten Sorgen war, das ihnen das Boot fahren nicht so zusagen würde. So wird sich daraus nun hoffentlich eine feste Stammcrew entwickeln. (Danke an Herrn Zeigert für die beiden tollen Bilder ...)
Hansesail 2006
Meine Frau war erstmals mit und hat ihrer Erfahrungen natürlich gleich pressetechnisch verarbeitet:
"Es ist normal, dass ein Holzboot erstmal ordentlich Wasser zieht",
erklärte mein Mann den zahlreichen Schaulustigen am Pier der Yachthafenresidenz
"Hohe Düne" (Rostock-Warnemünde), wo wir unser Boot
ins Wasser slippten. "Das quillt sich dicht!" Obwohl ich dies
wusste -kannte ich unser cooles Wikingerboot doch seit der ersten kleinen
Bauzeichnung - machte mir die Menge des Wassers doch Sorgen. Haben der
heiße Sommer und das lange Stehen auf dem Trocknen zu Rissen geführt?
Hat mein Mann Werkzeug mit? Wie kalt ist eigentlich die Ostsee?
Mit
dem 5-PS-Flautenschieber raus aus dem Nobelyachthafen. Segel setzen
bei Wind aus Nord-Nord-West bei knappen drei Windstärken. Unter
Segel die Warnow rauf Richtung Stadthafen Rostock und Hansesail. Bekannte
Segler unterwegs. -Die Qualle, die Jane, die Antigua, die Apolonia -
Herr Manthey mit seiner schicken Segelyacht.- Er erkennt die Wismarer
Segelschiffe an der Bauform, den Segeln, den Masten selbst aus weitester
Entfernung. Ich höchstens am Namensschild ganz vorne.
Neben der Wismarer Kogge beweisen wir unsere wahre Stärke. Auch
sie segelt in den Hafen, aber das schwerfällige Ungetüm hat
bei dem wenigen Wind arge Probleme mit dem Vorwärtskommen. Schnell
haben wir sie eingeholt und überholt. "Wir müssen da
ganz rüber auf die andere Seite", meinte mein Mann. Der Platz
an der Ruderpinne (beim Auto wäre es das Steuerrad) ist seit jeher
meiner. Also mitten durch das Getümmel der einlaufenden Boote.
Alle größer als wir. "Pass auf, als Großer übersieht
man so was Kleines schnell!" lautete der sachdienliche Hinweis
des Kapitäns. Zwischendurch immer wieder lenzen (mit einer quietschenden
Handpumpe), in der Hoffnung, das mysteriöse Leck zieht sich dicht.
Ich malte mir schon die Übernachtung auf dem offenen Boot mit steigendem
Wasserspiegel auf den Planken aus. Schlafen in Ölzeug und Rettungsweste,
alle drei Stunden lenzen. Regen von oben, Ostseewasser von unten. Plötzlich
grinste mein Mann – er hatte die Ursache des Lecks gefunden. "Hab
den Lenzstöpsel vergessen"“, gab er grinsend zu. Der
kleine Holzstöpsel verschließt eigentlich das Loch, aus dem
das eingedrungene Wasser abfließen soll, sobald das Boot wieder
auf dem Trailer ist. Das ist mir ein Bootsbauer!
Bei Bekannten aus dem Vorjahr haben wir im Museumshafen im so genannten
"Päckchen" angelegt. Drei Boote in einer Reihe. Wir,
um unser auffälliges Boot vor allzu frechen und betrunkenen Sailbesuchern
zu schützen, natürlich ganz außen. Mit langen Schritten
auf wackligen Untergrund von Boot zu Boot springen für jeden Toilettengang.
Mir wäre fast die Lust auf meinen abendlichen Rotwein an Bord vergangen
angesichts dieser Akrobatik! Erstmal über die Sail bummeln und
was Leckres zu Essen suchen. Fressbude neben Fressbude. Und überall
stehen sie Schlange. Tausende Menschen zwischen Bierwagen, Cocktailbars
auf Rädern und den Seglern. Countrymusik von Vorne, ein Shantychor
von hinten. Die Sail kann man nur vom Wasser aus richtig genießen!
Mit Ohropax und einigen Decken auf den Planken schlafen - der kommende
Segeltag wird anstrengend. Kurz nach 10 Uhr am Sonnabend Ausfahrt. 10 Kilometer Warnow runter,
gegen den Wind und mit Flautenschieber. Nicht stilecht. "Uns sind
grad die Rudersklaven ausgegangen", war daher mein Standardspruch
gegenüber den "Sehleuten" an Bord der Schiffe um uns
herum. Nur wenn uns jemand blöd auf unsere Rettungswesten ansprach,
fiel selbst mir nichts mehr ein. Natürlich sind die nicht stilecht,
aber tödliche Unfälle auf der Ostsee entstehen nicht durch
fehlende Stilsicherheit, sondern durch fehlende Rettungswesten!
Guter Segelwind, wenn auch etwas drehend, auf der Ostsee vor Rostock.
Ein Ritt auf den Wellen durch die vielen Motorboote um uns herum. Statt
der angekündigten Regenschauer Sonnenbrand. "Brasse steuerbord
dicht holen, noch mehr auf die Buleine!" Mit unserem praktischen
Wissen über Rahsegel könnten wir auch die Wismarer Kogge segeln.
Vom Prinzip her genauso, nur ein klein wenig größer. Nach
sechs Stunden auf der Ostsee wieder im Yachthafen. Erschöpft mit
Auto und Boot auf dem Trailer zurück Richtung Wismar. Ein schönes
Erlebnis! (Veröffentlicht im Wismarer Markt)
Lichterfahrt 2005
Diese fand erstmals am vierten Advent 2005 in Wismar während der Abenddämmerung statt. Es war eine tolle Veranstaltung mit Schiffen aller Art. Die Lichterfahrt ist eine Tradition der vergangenen Jahrhunderte, mit der die Fischer an der Wismarbucht ihr Zusammengehörigkeitsgefühl ausdrückten. Nun soll diese Tradition in erweiteter Form wieder aufgegriffen werden. Organisiert wurde die Lichterfahrt durch das Hansekontor Wismar. Das Wetter war an diesem Wintertag echt gut : 4 Bft - leider aus Nordost, 2°C Lufttemperatur und strahlender Sonnenschein. An Land wohnten diesem Spektakel etwa 4000 Besucher bei. Was enttäuschend war: trotz so vieler potenzieller Rudersklaven fand sich kein einziger, der mit wollte. Immer die gleichen Ausreden bekam ich zu hören: so nass, so kalt, da macht die Gewerkschaft nich mit. - Irgendwie war das auch schon mal anders!? Also musste mein 2,5 PS Ostseequirl ran. Denn der Wind blies genau in den Hafen hinein. Also - Fackeln an, Motor an und los ging´s. Und dann kam´s - der Motor wollt auch nich so wirklich. Erst hätten wir (Olaf war mit dabei, der Papa von Paula, einer lieben Freundin meiner Töchter) mit unserer Mastspitze fast das Achterkastell der im Bau befindlichen Poeler Kogge heruntergerissen (ich hab n`en echt guten Mast gebaut) und anschließend beinahe Bernie mit seiner Qualle (ein 2 Mast Stagsegelschoner) gerammt. Aber es ist alles gut gegangen und so sind wir fast bis Walfisch gefahren, um dort wie alle anderen auch zu wenden. Dann segelten wir vor dem Wind wieder Richtung Hafen. Ein echt tolles Event, das sich nun jährlich wiederholen soll. Insofern das Wetter einigermaßen mitspielt werde ich dann auch wieder dabei sein. Nun hat mein Drachenkopf schwarze Ohren ...
Die Rückkehr der Wikinger 2004 in Haithabu

Anlass für diese Veranstaltung war das 1200jährige Jubiläum der Siedlung Haithabu. Es nahmen rund 400 Aktive und 6 Wikingerschiffe teil. Ein sehr schones Gelände stand hierfür zur Verfügung, das an den zwei Tagen von 40.000 Besuchern aufgesucht wurde. Das wirklich tolle war für mich die umfangreiche Betreuung durch die Veranstalter. Diese scheuten keine Mühen: von der Hilfe beim Boot zu Wasser bringen über die Versorgung a´la Vollpansion im Gemeinschaftszelt und das Liefern von gerupften Hühnern für die Pfanne. Echt klasse gemacht! Auch hatten wir jede Menge Sonnenschein - bis auf Sonnabend Vormittag und die Nacht zum Sonntag. Da hat es nicht unerheblich geregnet. So mutierte das ein oder andere Zelt zur Tropfsteinhöhle. Aus meinem Boot durfte ich am Sonntag morgen dann etwa 200 Liter Wasser schöpfen. Das Segeln gestaltete sich leider etwas schwierig, da der Wind sehr böig und kräftig über den See blies. Ein weiterer Hingucker war meine frisch angetraute Frau. Schwanger mit kugelrundem Bauch kamen ständig die Fragen, in wieviel Tagen es denn soweit sei. Aber eigentlich sollten es noch 3 Monate werden. Sah nur nach mehr aus, weil da zwei im Bauch rumturnten.
Es war mal wieder toll zu sehen, wie das Sehvolk sehen kann. Wir hatten uns aus Segel und Ruder ein Regen-/ Sonnenzelt gebaut. Und brutzelten darin zur Mittagszeit das gerupfte Huhn. Plötzlich standen annähernd fast mehrere Hundert Menschen um uns herum. "Mama, was macht der Onkel Wikinger da?" "Der brät sich ein Huhn." "Wieso macht er das?" "Weil er Hunger hat." Wir hätten unser Mittag wohl meistbietend verkaufen können. Aber Frauchen und Babybauch hatten ja Hunger ... So ist halt das "Sehvolk" - gelacht wird erst, wenn die Touristen (= Sehvolk) weg sind ... bei Lagerfeuer und Met!
Hansesail Rostock 2003
Wenn es geht - jedes Jahr. Ein geniales Treffen von etwa 250 Traditionsseglern. Die Atmosphäre ist unbeschreiblich. Mit Haikuttern (von Lisa träum ich noch immer), Schonern, Galeassen, Koggen, Viermastbarken, und alten Jollenkreuzern (den Querkopp trifft man immer gern wieder) zusammen die Warnow hinauf zu fahren und vor Warnemünde zu segeln ist echt super. Vor allem weil zur Hansesail eigentlich immer Sonnenschein, 25°C und leichter Ostwind herrschen - bis auf 2005 - mäßiges Wetter bei 17°C und 6-7 Bft und 1,5 bis 2 Meter Welle. Die absolute Obergrenze für mein Boot. Aber es geht. Ist schon ein witziges Gefühl, so eine Welle hinaufzufahren, auf dem Berg kurz in die Ferne zu schauen, und dann in das Wellental hinunter zu schießen und nichts als Wasser um sich herum zu sehen. Die Hansesail ist für jeden eine Reise wert.
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