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Da nicht jeder etwas mit den Fachbegriffen anfangen kann, haben wir einige
erläutert. Einfach mit der Maus über die Links fahren oder direkt ins
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„So baue ich mir mein eigenes Wikingerboot“ oder wie aus einer Idee, SmP und viel Holz ein Bootchen wird.
Vorweg zum besseren Verständnis ein paar Worte über die Rahmenbedingungen und Zielsetzung bei diesem Projekt. Ich wollte keine Kopie irgendeines ausgebuddelten Schiffes nachbauen, sondern ein Boot, wie es es damals gegeben hat. Wobei auch vor 1000 Jahren jedes ein Unikat darstellte. So etwas wie den Serienbau gibt es erst seit dem 20. Jahrhundert. Zur Handhabung war es für mich wichtig, dass das Boot mit dem PKW und
Trailer
einfach zu transportieren ist. Des Weiteren muss es auch von mir allein zu trailern und auch einhand zu segeln sein.
Der Bau sollte innerhalb eines Winters abgeschlossen sein. Einen Tag pro Woche konnte ich am Boot arbeiten und werktags Kleinteile vorfertigen. Mit diesem Zeitfenster kamen moderne Werkzeuge und Arbeitverfahren zum Einsatz. Die traditionelle Bearbeitung der einzelnen Bauteile hätte weitaus länger gedauert.
Dies hatte aber keinen Einfluss auf die Form und Gestaltung des Bootes. Ich habe alle Bauteile nach historischem Vorbild ausgeformt.
Nun aber zum eigentlichen Bau:
Begonnen habe ich natürlich mit dem
Kiel.
Dieser besteht aus Eiche, ebenso wie die
Steven.
Der Kiel hat die Form eines aufrecht stehenden Balkens und ist absolut gerade. An die Enden des Kiels sind jeweils die Steven angebolzt. Sie sind vorn wie achtern gleich geformt und ragen mit dem Kiel zusammen gleichmäßig circa 100 mm aus dem Rumpf heraus.
Dann habe ich in Kiel und Steven eine
Sponung
eingearbeitet, in der später die
Planken
befestigt wurden. Nachdem nun Kiel und Steven zusammengefügt war, kam alles auf eine einfache
Balkenhelling.
Nun konnte es mit der Beplankung losgehen. Dieses Boot hat lediglich 4 Plankengänge mit jeweils einer Breite von etwa 300 Millimeter und 12 Millimeter stark. Eine Besonderheit dieses Bootstyps ist die praktische Tatsache, dass die drei unteren
Plankengänge
gerade und parallele Kanten besitzen. Lediglich die oberste Planke ist an ihrer Unterseite
ausgestrakt.
Als Hilfestellung zum Einbiegen der Planken habe ich mir 4
Mallspanten
angefertigt.
Die Wikinger plankten ohne diese Hilfsmittel. Da ich aber nicht so viel Holz und Zeit zum herum probieren verschwenden wollte, griff ich eben zu dieser Hilfe. Wobei die
Mallen
nur eine grobe Orientierung darstellten und während des Baus bewußt fliegen gelassen wurden. Jetzt, nachdem ich meine Erfahrungen mit dem Beplanken dieses Bootstyps gesammelt habe, wäre ich auch in der Lage, problemlos nach Wikingerart zu Planken.
Das Anpassen des ersten Plankenganges war relativ einfach zu bewerkstelligen, da der Kiel ja absolut gerade ist. Daher war die Planke nur an den Enden in die Sponung der Steven einzupassen. Das Einbiegen habe ich kalt vorgenommen, da ich bei dieser Plankenstärke auf das
Dämpfen
verzichten konnte und wollte. Dämpfen hätte doch einiges an Mehraufwand bedeutet. Die erste Planke weist zwar kaum eine Biegung auf, dafür ist sie aber sehr stark verdreht. Im Mittschiffsbereich liegt sie sehr flach und an den Steven kommt sie fast in die Senkrechte. Trotzdem ließ sie sich mit bloßen Händen in die Sponung drücken.
Die Planke habe ich mit Nägeln in der Sponung befestigt. Um die Verbindungen zwischen Planken und Kiel von vorn herein wasserdicht zu gestalten, kam ein modernes SmP zum Einsatz. Dies ist ein dauerelastischer Klebstoff mit einer sehr hohen Klebkraft, der dem Holz die Möglichkeit zum Arbeiten läßt und die Verbindungsnaht abdichtet. Der Einsatz dieses Werkstoffes ist ein Tribut an die von mir geforderte Tatsache, dass das Boot überwiegend im Trocknen steht. Denn sonst würde das Boot beim zu Wasser lassen erst einmal reichlich vom selbigen in sich aufnehmen. Und wenn es sich dann endlich dicht gezogen hätte, wäre der Tag wahrscheinlich auch schon vorbei.
Der zweite Plankengang wurde an den ersten circa 20 Millimeter überlappend angebracht. Dazu wird an die erste Planke die
Lahnung
angehobelt, so dass eine Fläche entsteht, auf der die zweite Planke aufliegen kann. Durch diese Lahnung werden später die beiden Planken miteinander vernietet. Der zweite Plankengang ist wie der vorangegangene absolut gerade und parallel, so dass er auch nur an den Steven in die Sponung eingepaßt werden musste. Die Lahnung habe ich natürlich auch mittels SmP verklebt. Dazu habe ich mir spezielle Holzzwingen angefertigt, um die Planke fest auf die Lahnung zu pressen und den Klebstoff aushärten zu lassen. Danach konnten die Zwingen dann einfach entfernt werden. Der dritte Plankengang entsprach in den Arbeitsabläufen vollständig denen des zweiten. Der vierte und letzte Plankengang war der einzige, der in seiner Breite der Rumpfform angepasst werden musste. So wurde die Planke an ihrer Unterseite an den vorherigen Plankengang angepasst – in der Mitte ist die Planke so breit, an den Enden sehr schmal. An ihrer Oberseite wäre sie im „abgewickelten“ Zustand, also losgelöst vom Boot, gerade. Damit war das Beplanken des Rumpfes abgeschlossen.
Als nächstes habe ich dann die Mallspanten entfernt, denn sie hatten ihren Zweck nun erfüllt. Der Rumpf behält natürlich auch ohne jegliche Verstärkung seine Form – ein Vorteil der Klinkerbeplankung. Ist allerdings so noch nicht besonders
torsionsfest.
Deshalb folgen nun die Einbauten diverser Verstärkungen. Als erstes wurde die
Keipenleiste
[Bild] eingebaut. Sie bildet die Auflager für die
Riemen
und verstärkt die Planke in diesem Bereich. Sie erstreckt sich nur über den Bereich der drei mittleren Spantenfelder, also lediglich dort, wo sie ihre Kräfte aufnehmen muß. Befestigt habe ich sie mit Nieten.
Als nächstes habe ich mich dem Bau der Spanten gewidmet. Hierfür habe ich nicht, wie beim Original, gewachsene Spanten verwendet, sondern gebaute. Die alten Meister der Wikinger hatten vor 1000 Jahren die Zeit und den Wald hinterm Hof, sich entsprechend gewachsenes Krummholz zu suchen. Die Spanten haben natürlich die Form der historischen Vorbilder. Ihre Breite beträgt etwa 50 mm, sie reichen bis zur Oberkante des dritten Plankenganges. Das Aufwendigste daran war das stufenförmige Anpassen, damit die Spanten bündig auf den Planken aufliegen. Befestigt wurden sie mittels eines Holznagels durch jeden Plankengang. Die Holznägel wurden von außen eingeschlagen und besitzen dort einen angeformten Kopf. Auf der Innenseite wurde dann ein Keil in den Nagel eingeschlagen, so dass eine formschlüssige und sehr feste Verbindung entstand.
Als nächstes habe ich dann das so genannte
Biti
eingebaut. Dies ist eine quer verlaufende Verstärkung auf den Enden des dritten Spantes. Es stellt bei diesem Boot das einzige Bauteil dar, das den Rumpf im oberen Bereich quer verstärkt. Das Biti erfüllt primär die Aufgabe, die Kräfte des
Riggs
aufzunehmen und somit ein Zusammendrücken des Rumpfes durch die
Wanten
zu verhindern. Zugleich dient es als
Ducht
für den letzten Ruderer. Sogenannte
Auflanger
verlängern die Spanten über dem dritten und vierten Plankengang. Zwei V - förmigen Spanten wurden schräg im Vor- und Achterschiff eingebaut. Achtern ist dies der Lieblingssitzplatz meiner Frau! Im Vorschiff ist dieser Sitzplatz ziemlich nass dank Spritzwasser.
Damit war der Einbau der zur Aussteifung und Festigkeit beitragenden Bauteile abgeschlossen. Dann mußten noch die Lahnungen der Plankengänge untereinander vernietet werden. Hierfür habe ich Kupferniete verwendet. Vor 1000 Jahren dienten dazu geschmiedete Eisenniete oder Holznägel. Da ich aber keine Zeit hatte, die etwa 500 Niete von Hand zu schmieden, habe ich als wohl vertretbaren Kompromiss auf Kupferniete zurückgegriffen. Denn diese gibt es fertig zu kaufen. Das Nieten erfolgt, indem man als erstes einen Nagel von aussen durch die zu vernietenden Bauteile schlägt. Dann wird von innen eine kegelförmige Nietscheibe, die in der Mitte ein Loch besitzt, über den Nagel gesetzt. Nun wird der Nagel 2-3 mm über der Nietscheibe abgekniffen und mittels eines Hammers gestaucht, so dass der Nagel eine Verdickung über der Nietscheibe erhält und diese nicht mehr herunter rutschen kann. Dabei werden die zu vernietenden Bauteile sehr fest aufeinander gepresst. Das Nieten war der einzige Arbeitsgang, den ich nicht alleine bewerkstelligen konnte. Denn es muss beim Stauchen ja jemand von der anderen Seite gegenhalten.
Damit fehlte dem Rumpf jetzt nur noch das Ruderblatt. Dieses ist etwa 1,2 m lang und hat eine größte Breite von circa 400 mm. An seinem oberen Ende läuft es zu einem Rundholz aus. Hier besitzt es auch ein seitlich eingebrachtes Langloch, in welches später die Pinne gesteckt wird. Gelagert wird das Ruderblatt durch eine
Ruderwarze
und eine Halbschale [Foto]. Die Ruderwarze befindet sich etwa auf halber Länge des Ruderblattes. Sie stellt lediglich einen Holzklotz dar und ist auf die Planken aufgenagelt. Dann wurde durch die Mitte des Ruderblattes ein Loch gebohrt. Ebenso durch die Ruderwarze, die Planke und das dahinter liegende V-Spant. Durch diese Löcher wird dann ein Stück Tauwerk gezogen. Auf der Außenseite wird es durch einen einfachen Knoten gesichert und auf der Innenseite stramm gezogen und am V-Spant verknotet. Das obere Lager gesteht aus einem Stück Holz am letzten Plankengang, das wie eine Halbschale geformt ist, in der der Ruderschaft zum liegen kommt. Dabei wird ein Lederriemen um den Ruderschaft herumgeführt und lösbar mittels eines Holznagels festgesteckt. Dieses ermöglicht ein schnelles Lösen des Ruderschaftes, um das Ruder bei Bedarf hochschwenken zu können. Damit wir wie die alten Meister bei Beutezügen auch in flacheres Gewässer fliehen können.
Die Pinne ist ein circa 50 cm langes Holzstück, das an einem Ende als Vierkant ausgeführt ist und in ein entsprechendes Sackloch im Ruderschaft eingesteckt wird. Bei den Verzierungen habe ich meiner Phantasie freien Lauf gelassen. [Foto].
Um der Mannschaft nun noch Sitzgelegenheiten, vor allem zum Rudern, zu verschaffen, waren noch drei Duchten anzufertigen. Diese liegen lose auf den Enden der Spanten und haben eine Aussparung, durch die der Auflanger der Spanten verläuft. So können die Duchten nicht verrutschen. Sie sind um die 50 mm stark und 150 mm bis 180 mm breit. Die Tatsache, dass die Duchten nur lose eingelegt sind, birgt den Vorteil dass sie bei Nichtgebrauch leicht herausgenommen werden können. So erhöht sich die Bewegungsfreiheit im Boot deutlich.
Um das Boot nun standesgemäß per Muskelkraft fortbewegen zu können, waren noch 3 Paar Riemen zu bauen. Wobei es sich nach aktueller Fachsprache eigentlich um Skulls handelt. Da diese Bezeichnung aber noch nicht so alt ist wie das Boot, bleibe ich bei den allerorts verständlichen Riemen. Es waren also 6 Riemen anzufertigen, die eine Länge von 3,10 bis 3,30 Metern haben. Sie bestehen aus einem runden Schaft mit einem Durchmesser von maximal 50 Millimeter und laufen nach außen leicht konisch zu. Das sich anschließende Blatt ist etwa 90 Zentimeter lang und 20 Zentimeter breit. Im dem Bereich des Auflagepunktes an den Keipen sind die Riemen durch aufgenagelte Ledermanschetten vor Abrieb geschützt. Die Dimensionen der Riemen habe ich nach eigenen Überlegungen und Gefühl festgelegt. In der Praxis haben sie sich dann sehr gut bewährt.
Bei einem Segelboot ist natürlich der Hauptantrieb das Segel. Ein Segel ohne
Mast
bringt es irgendwie auch nicht, also fix noch nen Mast gebaut. Dieser ist 4,60 Meter lang, hat einen Durchmesser von 80 Millimeter am Fuss und 30 Millimeter am Top. Auf den letzten 40 Zentimetern unterhalb der Mastspitze ist er etwas abgesetzt. Dieser Absatz dient als Auflager für die Wanten. Unterhalb des Absatzes befindet sich eine bogenförmige Bohrung in Längsrichtung, die ein Gleitlager für das
Fall
bildet. Das untere Ende des Mastes wurde zu einem Vierkant ausgearbeitet. Dieser steckt in einem passend geformten Mastfuss. Der Mastfuss ist nur ein 30 cm langes und 5 cm hohes Stück Eichenholz mit einem Vierkant-Loch, in das der Mast gesteckt wird. Der Mastfuss ist direkt auf den Kiel genagelt worden. Um den Mast nun in seiner aufrechten Position zu halten, wurde er mit zwei Wanten und einem
Vorstag
versehen. Am oberen Ende des Vorstages wurde ein
Auge eingespleißt,
das über den Masttop gehängt wird und auf besagtem Absatz zum Liegen kommt. Am unteren Ende des Vorstages wurde eine
Wandnadel
[Foto] angeknotet. Diese wird dann in einen
Grummelstropp
eingehängt, der wiederum an dem vorderen V-Spant befestigt ist. Die Wanten, je eines pro Seite, sind schräg nach achtern zur Bordwand hin abgespannt. Sie wurden auf die identische Weise wie das Vorstag befestigt. Die dazugehörigen Grummelstroppe (die heißen wirklich so) sind an den Knien des Bitis befestigt. Um das Segel später am Mast setzen zu können, war noch eine
Rah
zu bauen. Diese ist etwa 2,80 Meter lang, hat in der Mitte einen Durchmesser von 60 Millimeter und verjüngt sich nach außen hin.
Als letztes waren dann noch die Stevenaufsätze anzufertigen. Das heißt, auf dem Vorsteven einen Drachenkopf und auf dem Achtersteven den Schwanz. Den Kopf habe ich nach eigenen Vorstellungen entworfen und aus einem Stück geschnitzt. Er ist abnehmbar, um die Transportfreundlichkeit zu erhöhen. Die Drachenköpfe der Originale waren aber zumeist auch abnehmbar, da sie bei friedfertigen Absichten heruntergenommen und bei Krieg angesteckt wurden. Soweit jedenfalls die mir bekannte Überlieferung.
Um die Planken im Alltag vor dem Getrampel der Mannschaft zu schützen und den Komfort an Bord etwas dem weiblichen Geschlecht zu schulden, habe ich dann noch einige Bodenbretter angefertigt, die eine ebene Fläche erzeugen. Auch einige der Original Boote besaßen welche. Der so entstandene Stauraum zwischen Planken und Bodenbretter eignet sich bei längeren Törns vorzüglich dazu, Weinflaschen zu verstauen. Der gute Tropfen bleibt so auch immer schön kühl.
Damit ist der Bau des Bootes im Wesentlichen abgeschlossen. Zum Konservieren des Holzes habe ich mich für ein klassisches Holzöl entschieden. Dabei habe ich das trockene Holz so lange mit dem Öl getränkt, bis möglichst alle Zellhohlräume des Holzes mit Öl gefüllt waren. Dies hat den Vorteil, dass damit eine Konservierung von innen heraus erreicht wird, da nun kein Wasser mehr in das Holz eindringen kann. In der Praxis sah das dann so aus, dass ich alle 20 Minuten den mit Öl getränkten Pinsel schwingen durfte. 30 bis 35 Mal das Boot komplett einpinseln, eben so lange, bis der Sättigungspunkt des Holzes erreicht war und es kein Öl mehr aufsaugen konnte. Dabei entstand eine seidenmatte Oberfläche.
Zum Bau des Segels erfahrt ihr mehr unter der Rubrik Segeltechnik.
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